James Holden – DJ Kicks

Psychedeltronica?
Galwaytronica?
Mäandertronica?
Entrücktronica?
Randomtronica?

oder einfach nur Holden?

M
Der Meister ist zurück mit seinem Beitrag zur DJ Kicks Reihe auf K7. Und was für einer. Holden liefert nicht nur genau den Trademark Sound, den man von ihm erwartet, sondern kostet es aus, gleich richtig tief hinein zu zoomen.

Er hat ausnahmslos nur Stücke (fast keines vom eigenen Border Community Label, der Angeber der) ausgewählt, welche seine musikalische Identität ohne Schnickschnack verkörpern: Die “Stücke” bestehen eigentlich nur aus ein bis zwei Arpeggiator-Melodien mit maximal drei Tönen, die ewig und ewig hin und her moduliert, gefiltert, gehallt, delayed und verwurstet werden. Dazu ein harmloser Bass und “perkussive Elemente”, von Rhythmus oder gar Drums kann man fast nie sprechen, auch eine Bassdrum fehlt fast völlig und wenn mal eine kommt, dann drückt sie sich schüchtern in den Hintergrund.

Und so bimmeln und laufen die Sequenzen hin und her und morphen durch ein Meer von Effekten. Auch ein klassiches “Arrangement” fehlt, es klingt mehr nach live geschraube. Als würde jemand einen schönen Preset-Sound bei einem Synthesizer entdecken, den Arpeggiator anschmeissen, jedes Effektgerät ausprobieren und dabei dann irgenwann mal Record drücken. Irgendwann endet jedes Stück meist in einem Crescendo aus Distortion und dannach werden die Elemente einfach ausgefadet. Jarre in 2010? So ungefähr.

Dabei geht es immer um das mantrahafte Wiederholen des 10-Sekunden-Moments (“build”) vor dem gro?en Finale (“Drop”). Nur das das Finale nie kommt, sondern die Euphorie vorher in einer Endlosschleife festgehalten wird, damit sie sich ja nie entlädt. Dieser Zustand des ständigen “kurz davors” macht den Charme dieser Musik aus, verursacht im wahren Leben aber natürlich auch irgendwann Kavaliersschmerzen. Will also heissen, genial aber anstrengend und kann man nicht ewig machen.

So ein Geklingel kann man denn auch unmöglich nebenher hören, oder gar im Auto. Das wird aufgrund der monotonie und der Frequenzen sehr schnell nervig. Lässt man sich aber bewusst drauf ein, geht einem entweder das Messer in der Tasche auf ob der vilaloboesquen Unverschämtheit, mit der hier Track um Track abgefeiert wird oder man erreicht ein audibiles Nirvana und kann nicht anders, als dem Meister der Zweitonmelodien ein geniales Werk zu bescheinigen.

Mein Fazit: Wahnsinn! Ekstatische Melodieüberdosis von allerhöchster Reinheit.
So einen Stoff muss man aber mögen. Saure Kutteln zum hören.

Melodie-Allergiker seien ausdrücklich gewarnt. Es kann schnell zu atemnot kommen.

Wer sich immer noch nichts drunter vorstellen kann, sollte mal den Martin Galway Soundtrack zum C64 Game Parallax anhören. So ist das ungefähr, nur mit schöneren HiHats und Distortion.

Anspieltipps:
  • 03. Mordant Music – Olde Wobbly
    Oft sagen auch schon die Titel, was man zu hören bekommt. Und das mit den fehlenden Beats muss ich hier auch zurücknehmen, der Groove ist unfassbar. Das konventionellste Stück des Mixes und dabei gleichzeitig auch das entfernteste. Könnte man auch im Dubstep Kontext veröffentlichen.
  • 07. Mogwai – The Sun Smells Too Loud
    So klingt Dudelsackmusik bei James Holden. Sägende Frequenzen und dazu Getrommel ergeben einen druidischen Mondritentanz der vor 5000 Jahren bei Stonehenge sicher der absolute Burner gewesen wäre. Alleine schon wegen des Titels ein absolutes must love.
  • 14. James Holden – Triange Falls
    Das isser wieder. Nach 4 Jahren (!) wieder mal eine Single zu releasen und dann so eine. Der Typ ist der ?bergeek, entrückt und völlig in seiner eigenen Welt lebend. Checkt mal die Interviews auf Youtube mit ihm.
  • 18. Lukas Nystrand – Never Fail (Vocal)
    Darf auchmal “gesungen” werden hier. Fast schon zu kommerztrancig für Hr. Holden. Und die Zischel-HiHats sind unverschämt. Aber das ist genau der Minimal-Trance-Sound, bei dem alles aus ist.

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In das Album reinhören:

 

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