Pendulum – hold your colour

(Wir) sagen: Feuerwerk!

Connaisseur_M sagt dazu:

Dieser Artikel ist eine Art Entschuldigung: Die Platte kam in 9.2005 raus und ich hab sie einfach übersehen. Beziwhungsweise aufgrund von Vorturteilen gar nicht gesucht. Pendulum, das war für mich immer so ‘ne Art Death Metal im Drum’n Bass. Brachiale Gewalt pur. Nur wummer-wummer. Sowas hasse ich ja. Wie ihr aus unserer Hospital Verehrung entnehmen könnt, sind wir eher auf dem Weichzeichner-Trip. Kommt vielleicht mit dem alter, aber so waren wir schon immer. Auf jeden Fall sind diese Industrial-DnB-Tunes der Abturn schlechthin.

Mit diesen Vorurteilen bin ich an diese CD herangegangen…


Was für ein Fehler! Bereits nach dem originellen Intro war ich hin und weg. Diese CD wird sicher wieder die Geister spalten. Hier ist nämlich Schluss mit zarten Zwischentönen. Es ist alles 1000% immer auf die zwölf. Direkter geht kaum. Clown-Step, Jump-Up und wie sowas alles noch heisst wird hier auf die Spitze getrieben. Eine Art Scooter für Drum’n Bass würde der vergnügungsfeindliche Theoretiker sagen. Wer aber tanzen will, sagt hier: JAAAAAAAAAAAA. Beziehungsweise REEEEWWWIIIIIINNNNNNNDDDDD!

Meine musikalische Sozialisation hat in den dürren 80er Jahren – als für das unerfahrene Radio hörende Kind nur Müll gab der mich bis heute ein meinen Träumen verfolgt (oder auf “der neuen 107,7”) – auf dem SID Chip eines C64 angefangen. So ist es nur zu verständlich, dass mir die Hubbard Lead-Lines und die Matt Gray Basslines direkt ins Rückenmark gehen.

Die Tunes spannen einen weiten Bogen (sofern man sowas hier sagen kann), auch vom Tempo her. Das ist sehr angenehm, denn die besten Tunes bewegen sich in langsameren Gefilden, die sonst eher bei Freestylers, Crystal Method vorkommen. Dadurch wirken die Beats nicht so geknüppet und es bleibt mehr Platz für herrliche Kinderspiel-Melodien, seufz. Das hatte ich nicht von Pendulum erwartet. Auch relaxtes Calibre-ähnliches wird geboten (Plasticworld). Nur “Sounds of Life” klingt wie ein abgelegtes John-B Testtune. Fast alle Tracks verlangen nach maximaler Abhörlautstärke! Breitwandig produziert oder auch puristisch nur auf den Bass konzentriert. Aber immer mit allerlei Schmankerln und Firlefanz ausgeschmückt. Hat mich sofort vom ersten Moment total umgehauen. Beim Autofahren gefährlich, wegen ?berhögung der Geschwindigkeit. Sowas kann ich aber auch auf dem Klo hören. Manch anderer wird die Musik aber sicher auch in selbigem entsorgen wollen, kann ich mir schon vorstellen…

Spiel, Spa? und Schokolade! Alles drin! Kirmes-Drum-and-Bass at it’s best!

Anspieltipps:

  • 01. Slam
    (Wenn’s schon so anfängt, ist es sowiso um mich geschehen. Brutalstmöglicher Peaktime-Madness inklusive Melodien für Milionen!)
  • 04. Fasten your Seatbelt (feat. Freestylers)
    (Oh der Titel ist hier sowas von Programm. Mid-Tempo Kracher mit Kindermelodie zum verlieben)
  • 09. Out here
    (Der Besuch eines imaginären Freizeitparks mit al seinen vielen Attraktonen inklusive Groove und Soul in 6 Minuten und 7 Sekunden zusammengefasst. Electronic Wonderland! Wie macht der das?)
  • 12. Streamline
    (So klingt kitschig rosarote Zuckerwatte! Lecker!)

Connaisseur_J sagt dazu:
Das offenbart doch die dunkle Seite. Aber ich habe dich durschaut. Das Scenario sieht doch folgenderma?en aus:
==> Sobald Frau und Mutter aus dem Haus ist, schmei?t Du diese Scheibe rein. Dann holst du deiner Tochter das zweite (geheime) – let’s call it the secret- bobby car. Nämlich das mit Rasenmähermotor. Und während du noch den Rasensprenger und die Nebelmaschine an den Start bringst, fährt sich’s Töchterchen schonmal warm. Die Nebelmaschine eingeschaltet, den Sprenger an die Decke gerichtet um das runtertropfende Kondenswasser einer Rave-Hölle zu imitieren. Und die Nebelmaschine für die authentisch-schlechte Luft.
Und während du an deiner Beinarbeit arbeitest und deine Tochter dich mit dem gepimpten Bobby-Car umkreist, ihr glücklich grinst, entsteht doch eine ganz besondere Vater-Tochter Beziehung. Auf der Basis von Proll-Mukke! Von wegen Samstags zum Babyschwimmen….. Ja,Ja! <== Soll ich noch was zur Musik sagen? Also es gibt sicher Momente in denen ich mich über so ein Minimalinstinkt-No-Brain-Needed-Gebolze freuen kann. Die möchte ich aber aus rechtlichen Gründen nicht näher definieren. Aber M., die erste Nummer? Oder die mit dem schlechtesten Tital aller Zeiten...."Fasten Your Seatbelt"? Ich meine gehts noch.... aber ein Bonus hier: Wenigstens behaupten die nicht mal anspruchsvolle Musik zu machen. Weitere Platitüden werde ich hinunterschlucken und gespannt auf die nächste Attacke vom Rave&Bass Meister M. warten! So long und einen schönen Tag noch. PS: Sind auch ein paar ganz schöne Nummern dabei."Girl in the fire" gefällt mir! Ich geb's ja zu. Und Tarantula knallt sehr fein....... ach, man kommt einfach doch nie ganz von seiner Jugend los. Das Gemüt eines 17-jährigen gefangen im Körper eines Mit-Dreissigers. Das ist mein Statement zur Musik!

In die CD reinhören:

3 thoughts on “Pendulum – hold your colour

  1. nette melodien.. 🙂 warum kannte ich die bisher denn nicht? hab mir gerade mal nen prodigy-remix von denen reingezogen, jetzt weiss ich auch, warum “eine art death metal des d’n’b”.. hehe..

    aber ein guter tip, danke!

    • Hey moo, endlich jemand, der das zu würdigen weis! Danke!

      Connasseur_J: Zu deinen Vermutungen kann ich hier öffentlich nicht Stellung nehmen. Wenn du schon so gut informiert bist, dann gib mir wenigstens die Negative der Bilder, auf dass die niemals an die ?ffentlichkeit kommen 😉

  2. Als alter Hip Hop Hase konnte ich mich nie dagegen wehren auch irgendwie was für elektro krimskrams übrig zu haben, drum´n Bass war für mich immer wie Techno für völlige Endzeitraver…das hat sich durch dieses Album geändert.
    Ich kann den hang zum weichzeichner nachvollziehen, Hold ur Colours allerdings hat mich dazu gebracht mehr interesse für diese musik zu erübrigen und der Witz ist das ich es beim zufälligem browsen zu eurer kritik gefunden hab…sachen gibts, naja danke.

    greetz,
    Mörser

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