Impure – Connect EP

Auf NexGen Music, dem britischen Label, auf dem auch die hier über den grünen Klee gelobten Kachina veröffentlichen, ist auch das Duo Impure zu Hause. Das hier ist – nein, ich kann es auch nicht glauben – ihre Debut EP Connect.

Beats, Pads, Vocals, Synths und der ganze Rest klingen so, als hätte ich meine unterbewussten Wünsche an einen 3d-Drucker angeschlossen, der dann eine Waveform druckt, die genau so klingt.

Es hoppelt und breakt. Es singt, es wabert. Es grooved wie die Hölle. Und die Pads bringen mich um.

Den Track Connect spielten Kachina in einem Rinse.FM Mix und bereits beim ersten Mal hören musste ich den 2 Stunden am Stück hören. Und auch ein bisschen weinen, weil er so wunderschön ist. Da stimmt alles.

Hoffentlich kommt bald mehr. Es ist unfassbar.

Connect EP auf NexGen

Zed Bias – Different Response

Zed Bias. Ein Name mit Resonanz. Urgestein. Undsoweiter [insert-EhrfurchtsRezensentenAlteKünstlerFloskeln-here] Ein Album. Mit Kritiken, in denen Vielseitigkeit und das Abstrakte betont wird.

Scheinen vor allem Euphemismen für “sperrig” zu sein.

Oder dafür, dass ein Album nicht dadurch anderster wird, in dem man auch nahezu jeden Track mit – ich kann es nicht besser beschreiben – anstrengenden Drums zuschüttet.

Es darf kaum einen schönen Rhythmus geben. Immer muss da ADHS Medizin und zu viel Nervosität hinzugefügt werden. Was die an sich sehr eigenen Tracks schlicht überwürzt (sehr schade bei Just like OHM, The Medicine Man). Das gepaart mit teilweise unfertig klingenden Arrangements (z.B. Dissecting Frequencies) erzeugt für mich zu hohe Stresslevel beim Hören.
Habe das Gefühl, dass soll alles genau so sein, um das Künstlerische, Andersartige, Anti-Bangerige zu unterstreichen. Damit man in Rezensionen von “durchbrechen von Hörgewohnheiten” schreiben kann.

Ja, ja ich weis, nicht alles muss sich applikativer Eingängigkeit beugen, aber zu absichtlich auf “anders” zu machen, ergibt irgendwie auch keine leckere Mahlzeit. Ach manno, He Loves Me ist doch so schön, aber kann man bitte die 0815 drums austauschen?

Schmerzhaft wird es bei doch eigentlich soo schönen Tracks wie Don’t Play (Hauptsache totgedröhnt) oder – das zerbricht mir das Herz – Pick Up The Pieces.

Rhodes, Piano, Strings und Vocals aus dem Himmel treffen General-Midi-Zufallsstandard-Drum-Geboller der allerschlimmsten Sorte. Sowas ist in manchen Ländern sicherlich illegal und läuft unter Vandalismus.

Ich hoffe inständig auf Spectrasoul oder MJ Cole Remixe um diesen Track aus seiner selbstgewählten Schlammgrube zu holen. BITTE!

 

Kachina – oder die Unmöglichkeit der Nichtbegeisterung

M Wir könnten sehr viele solcher Artikel schreiben. Lobeshymnen die von der kindlichen Freude am Entdecken neuer Musik berichten. Die für einen kurzen Moment imaginäre Einäugigkeit statt ständige Blindheit vorgauckeln. Jedes mal natürlich daran scheitern, auch nur einen Funken der Glücksgefühle rüber zu bringen, die dieser oder jener Track oder Mix auslöst.

Einer der Hauptgründe für die de facto Einstellung unseres Blogs in den vergangenen Jahren war neben dem ständig steigenden Real Life Anteil oder dem allgemein nahe Null gesunkenen Nutzwert von Musikblogs auf Grund Soundcloud, Spotify, Facebook oder Bandcamp eben auch die Tatsache, dass wir bei der Flut an neuer Musik einfach zu viel Zeit in den reinen Konsum investieren müssen!

Was in meinem Fall eines im falschen Körper (*) geborenen Süddeutschen mit Faible für UK Bass und Garage vor allem bedeutet, dass ich durch das laufende UKG Revival in eine Art musikalisches Euphoriekoma gefallen bin.

(* = ich glaube ich hätte Musikgeschmackstechnisch eigentlich im Körper einer zwanzigjährigen Londonerin geboren werden sollen)

Woher soll ich all die Zeit für Seitenlange Lobeshymnen auf die Conductas, Deadbeats, Left/Rights etc. nehmen, wenn immer neues kommt? Wie den Mut finden, meine elegischen Jubelartikel über Flava D nicht jedes Mal mit den Worten ICH BIN UNWÜRDIG wieder zu löschen? Wie bei einem DJ EZ Set unter kroatischer Sonne keinen Herzinfarkt bekommen?

Dieser Beitrag ist also eine Art kurzes Zucken aus dem Wachkoma.
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Wenn Du zeigen willst, dass Du ein Kenner bist – Deine Freunde werden staunen!

Hier gilt der alte YPS!-mit-Gimmick Spruch endlich mal in Reinkultur.

Hauke Freer, eine Hälfte des von uns heiß geliebten und hier gehypten Lüneburger Edelhouse-Duos (wir haben das Wochenendseminar “Erfinden von authentisch klingenden fiktiven Subgenres für Albumrezensionen in Frauenzeitschriften” besucht. Man muss ja nach allen Seiten offen bleiben. Jetzt wollte ich das halt mal anwenden. War auch nicht so billig das Seminar.) Session Victim war bei der Ausgrabung alter Sould und Disco Schätze für’s Samplen so erfolgreich, dass er es nicht über’s Herz gebracht hat, diese Stücke nicht in ein – hier passt das Wort – zeitloses Mixtape für Sleazy Beats mit dem Namen Winter’s Blessing zu packen. Der Mix ist von Februar aber erst jetzt auf Soundcloud.

Und ist absolut höhrenswert.

Was das mit YPS! zu tun hat? Wer diesen Mix spielt und dabei noch unauffällig und beiläufig tut, kann sich der Anerkennung seines sozialen Umfeldes sicher wähnen. Das klingt so als hätte man wirklich, wirklich Ahnung. Garniert man das noch mit postfaktischen Anektdoten über zufällige Funde von Vinyl “in einem total kleinen Plattenladen in einer Hafenstadt in Guatemala” auf den man bei einer Musikrezensionslesereise durch Südamerika gestoßen war, steht der eigenen Selbstüberhöhung nun wirklich nichts mehr im Wege.

 

Lassen Sie uns über Hip Hop reden

Was ist denn da nur los? Nahezu epische Stille und nun auf einmal? Kann sein, dass der Film Wenn der Vorhang fällt wieder einiges an gutem alten Hip Hop zu Tage fördert. Kann auch sein, dass die Szene einfach nur Ihre Wunden leckt und sich immer noch fragt, ob es jenseits des Gangster-Rap Gehabes eigentlich noch eine wirklich nennenswerte und vor allem hörenswerte Szene gibt, nachdem Granden wie Blumentopf, Kinderzimmer und so weiter schon längst in Ruhestand gegangen sind. Es ist auch nicht damit getan, dass Freundeskreis Revival-Konzerte geben und diese in 5 Minuten ausverkaufen. War es das? Müssen wir uns nun auf den Wortwitz und Feuilletonistischen Aberwitz der Antilopen Gang verlassen, oder gibt es da noch was? Ohne nun die Moralkeule zu schwingen, die zugegebenermaßen wirklich locker sitzt dieser Tage möchte ich ein subjektives Hörvergnügen vorstellen und zeitgleich, ohne darüber zu viele Worte zu verlieren, die Frage in den Raum stellen, ob es da nicht noch mehr gibt. Gibt es. Wie immer weder objektiv, noch brandaktuell. Man muss sich ja treu bleiben und höre Folgendes:

Liquid & Maniac – und dort den Auftritt für Puls:

Aus der Mitte – Goldroger – Perwoll:

Knackeboul – Birdman:

Yasmo – Weit Weit Weg

Fatoni – Gravitationswellen

Und ja, wir starten im Süden und enden auch da- Leberkasvalley:

Also die Empfehlung: Stay open minded und niemals aufgeben. Es gibt etwas, dass sich lohnt. Auch abseits der Prostitution.

von audibilen Flutwellen und sonischen Hochwassern

… oder: the year of the Übertunes

Jahresrückblicke sind für Blogs eher zweifelhafte Deckmäntel zur Generierung unnützen Contents. Für ein Blog wie dieses hier, welches nahezu ein Jahr ohne Veröffentlichung auskommt, geradezu eine Anmaßung.

Doch HALT! STOP! OBACHT! möchte man dem sich bereits weiterklickenden Digitalreisenden zurufen. Denn es herrscht schwere Wohlstandssorgennot im Rezensentenlande. Ohne Scheu kann hier der Begriff der höheren Gewalt ins Feld geführt werden, für den unsere Anwälte jahrelang in den Vertragsverhandlungen mit unserer Rezensentenrückversicherung gekämpft haben.

Denn 2015 war für unseren kleinen Musikkosmos ein Jahr der Superlative. Die Flut an erwähnenswerten Veröffentlichungen (egal ob nun positiv oder negativ) hat uns schlichtweg umgehauen. Wenn bereits während der Hördauer eines neuen Albums schon mindestens ein weiteres veröffentlicht wird, wie soll man da mithalten? Continue reading

Rätselecke! Herzblatt mit Herzblut aka Ich Herz Glühbirne Bäume

MFile under: was Sie schon immer sagen wollten, sich aber nie getrauten. Irgendwann isses dann auch egal. Man druckt ein Bilderrätsel aus, hängt es sich um den Hals und macht sich damit im Lieblingsclub lächerlich.

Aber mit dem Wissen, das richtige zu tun. Die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen, oder doch zumindest ans schummrige Discolicht der Pressure.

Denn es ist an der Zeit, einen Drum’n Bass DJ zu feiern, wie es ihn in Tübingen nirgendwo ein drittes Mal gibt!
Das wollten wir schon seit 20 Jahren sagen (was wir ja bereits in Reimform taten).

Soo, wer ist denn jetzt nun unser Herzblatt mit Herzblut?

Oliver Schories – Fields without Fences

Durchgestylte Entspannungs- und Begleitelektronik für audibile Genießer!

M
Total unprofessionell ist es, wenn der Grund für die Rezension sowie die Rezeption des Rezensionsobjektes über die Maßen von der Person des Rezensenten abhängen. Wie schön, dass man auf einem privaten Blog nicht professionell sein muss, schon gar nicht hier. Und so kann ich ungehindert belangloses von mir geben. Zum Beispiel, dass Oliver Schories’ drittes Album in vier Jahren vor allen deshalb rezensiert wurde, um dem Autor etwas Abwechslung aus der selbst gewählten Isolation aus Drum’n Bass, UK Bass und UK Garage zu bescheren.

Denn was für eine gute Gelegenheit: Ein ganzes Album voller netter Plätschertronika! Der Pressetext spricht wortgewaltig von “truly captivating, emotional and spiritually enlightening journey“, Thump/Vice disst es als jedemrechtmachenwollende Ansammlung von Belanglosigkeiten Oliver Schories ist nicht Van Damme, sondern ein mittelgroßer gemischter Salat)

So was weckt natürlich das Interesse der sensationslüsternen Laienpresse (ws dazu führt, dass man sofort das lesen weiterer Artikel darüber einstellt). Wie zu erwarten, treffen beide Aussagen den Nagel auf den Kopf:

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The Erised – Desire EP

Phtalate für’s Herz aka ukrainischer Future Pop

M
Das hier sollte eigentlich wegen The Erised’s Valentinstag Video auch an selbigem erscheinen, aber Rückdatieren is jetzt auch irgendwie peinlich…

Medschool, das (buah) “kleine Schwesterlabel” (huaa Doppeldeutig, puh) von Hospitalrecords traut sich was. Oder auch nicht. Oder doch. Aber laut eigenem bekunden hätte man so etwas schon vorher veröffentlicht, wenn denn jemand Demos in solcher Qualität eingesandt hätte.

Für ein Label wie Medschool, das sonst eher für quergelegten technoiden elektronischen Drum’n Bass weit links der Mitte steht, ist es eine Überraschung: The Erised sind eine 6-köpfige Live-Band aus der Ukraine, bestehend aus Sängerin Sonya Sukorukova und 5 Musikern, von denen Detail und die beiden Hidden Element Jungs auch schon auf Medschool Compilations vertreten waren und den Kern der Band bilden. Die Väter der Band haben damit alle DnB Gene in die Zeugung der Band eingebracht.

Der Sound der Band ist – jetzt wird’s schwierig für mich, da mir hier die korrekten Stil-adjektive fehlen – Downtempo Pop-Balladen / Folk mit Live-Instrumenten und einer Portion Elektronik (E-drums, Keys, der eine oder andere Frickel-Effekt). Klingt wie irischer Folk-Pop (forgive the incorrectness) mit leichtem Elektronik-Anstrich. Es ist die “live-werdung” eines elektronischen Arrangements.

Der Sound hat nichts, aber auch gar nichts mit Medschool oder Hospital zu tun. Es ist eine mutige Entscheidung des Labels, sich so für neue Sounds zu öffnen, auch wenn mit Bop und anderen auch bisher balladiges zum Repertoire des Labels gehörte, aber eben doch innerhalb des DnB Kosmos. Daher bleibt zu hoffen, dass mit The Erised ein neues Kapitel, eine dauerhafte Erweiterung des Labelsounds beginnt und nicht nur eine Eintagsfliege.

Auf der anderen Seite ist es auch wieder wenig mutig vom Label, denn gleich Pray das erste Stück der Band ist so eine unglaubliche Hammernummer, das man sie einfach veröffentlichen muss. Glaubt man den Interviews der Band war es auch so, dass Pray gar nicht als Demo für Medschool gedacht war, sondern The Erised einfach nur Industrie-Meinungen einholen wollten zu ihrem Band-Projekt. Aber Medschool hat einfach zugegriffen und sofort das Signing gewollt.

The Erised treffen mich direkt ins Herz. Schwülstige Popballaden vom eigentlich Alleroberschlimmsten wieden hier zum Herzenserweichmacher.

SEUFZ!

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