Chase & Status – brand new machine

Von zweien die auszogen, es allen recht machen zu wollen.

M
Schon wieder eine Einleitung über die Hürde des dritten Albums. Ach mann, ich hab’s mir nun wirklich nicht leicht gemacht mit dieser Rezension. Seit Tagen kaue ich rum, ob ich das überhaupt veröffentlichen soll. Aber ich ärgere mich über meine eigene überhöhte Erwartungshaltung und Ihr müsst meine Hirnfürze jetzt ertragen.

Oktober 2013: gefühlt alle UK Daytime Radio Platzhirsche veröffentlichen ihre Alben nahezu gleichzeitig (Camo & Krooked, SubFocus, Chase & Status, bald Wilkinson, …).
Und gerade von Chase & Status wird dann ein besonders zwölfendiges Exemplar erwartet.

Nach Collabs und Producer Tätigkeit für US Popgrößen wie Snoop oder Rihanna ist auch so klar wo die Reise hin gehen soll: Brunftruf zu maximaler Mainstreamtauglichkeit.

Das ist für uns hier natürlich keinerlei Makel sondern eigentlich unabdingbare Pflicht für Dance Acts mit Crosssover Potential.

Pflicht sollte dann aber auch sein, dass man was ordentliches abliefern muss. Und das ist meiner Meinung nach hier nicht der Fall!

Und bevor mir hier negative Vorprägung unterstellt wird (ED: Achtung, jetzt fängt er wieder damit an): Meine Verehrung für C&S wuchs diesen Sommer wieder stattlich als ich mit Tränen in den Augen einem DJ Set zuhören durfte, in dem Dramaturgie, Track-Auswahl, Abfahrt, MCing und BierzeltDnB-Faktor einfach nur beeindruckend waren. Aber vielleicht war es genau dieses Initationserlebnis, dass meine Erwartungen zu hoch gedrückt hat.

Aber zurück zum Album: Ja, es sind absolute Kracher mit Pop-Appeal made by Chase & Status dabei. Aber OH NEIN es sind auch eine ganze Menge von unfertigen Albumfillern dabei. Von C&S unwürdigen halbgar simplen Skizzen. Da stimmt doch was nicht. [Hier Verschwörungstheorie einfügen über böse Majors mit Termindruck]

Meine persönliche Verschwörungstheorie geht so: Chase & Status hatten zwei Schockerlebnisse gleichzeitig: Sie hörten das zukünftige Nero Album an und mußten sich eingestehen, dass der Sound way way way better ist als ihr eigener (kann man in einem Interview nachlesen). Gleichzeitig das Major Label mit Druck, dass man weg muss von DnB und mehr Pop, mehr Crossover, mehr Drama, mehr HipHop, mehr “EDM”, mehr USA. “Album by design” sozusagen. Und “cover all areas” um jeden Preis. Dazu dann noch das Label MTA managen. Da bleibt vielleicht Inspiration, Zeit und kreative Boheme etwas zu sehr auf der Strecke. Ganz, ganz, ganz böse gesagt: It seems they have lost it. Irgendwie scheinen Sie etwas den Anschluss verloren zu haben.

Das Ergebnis hört sich für mich ganz persönlich dann so an:

Fillers
  • 01. Gun Metal Grey
    Der Opener fst schon symptomatisch: DnB Drumloops klingen nicht automatisch nach HipHop oder Heavy Metal, nur wenn man sie vom Tempo her auf 70 BPM runtersetzt. Das gilt auch für die Synth riffs. Und schon auf dem Amiga 1987 klangen “Heavy Metal Guitar Riffs” immer etwas konstruiert. Doppelt so schnell vielleicht brauchbar. Aber ein C&S Track? Das?
  • 05. Pressure [feat. Major Lazer]
    Als das erstmalig bei Annie Mac lief, hielt ich es für einen Aprilscherz. Drei bis vier billige Schluderpatterns auf über vier Minuten gedehnt. Die Beats unglaublich billig. Ja und böse böse Meahjah Leeazah Samples drüber. WTF? Namensprostitution der finstersten Sorte. Hashtag Praktikantenpatterns.
  • 06. Machine Gun [feat. Pusha T]
    “My hand’s dirty with cocain” “King Push machine gun” “Cash money bling bling”? Teenietexte bei C&S? Was klingt wie eine Beardyman Persiflage von schlechtem Ami Gangst Rap zum Track “No Problem” des Vorgängeralbums soll wohl ernst gemeint und auf amerikanische Teenager zugeschnitten sein. Wieder funktionieren die haftime Beats nicht. Das Riff ist wirklich 1:1 aus No Problem. Eine Schande. Funktionierte auch diesen Sommer aufm Festival als “world exclusive” eher weniger.
  • 11. Deeper Devotion
    “Sweet Sensataaahaaa” ist dann doch nicht so sweet. Ein 80er Discohouse Remake. Massenware. Wette dass sie den Track schon seit 7 Jahren auf der Platte hatten.
  • 13. What Is Right [feat. Nile Rodgers, Abigail Wyles]
    Jungs, ihr müsst was mit Nile Rodgers machen, weil darüber kann man im Interview schön was erzählen. Hier sind 30MB Samples von Nile. Macht irgendwas poppiges draus.“. Finde Melodie und Vocals eigentlich schön, aber es kommt so konstruiert rüber, dass es einfach frech ist. Zu frech.
  • 14. Alive [feat. Jacob Banks]
    Was soll das heissen Ihr habt euch mit Plan B verstritten? Uns egal, wir wollen eine 1:1 Kopie von “End Credits” haben. Aber eine mit Kitsch-Vocals, die wir für einen Disney Animation Film lizenzieren können. Hier, nehmt halt Jacob Banks. Aber macht Gospelklatschen am Schluss rein, das wollen die Amis” Der unverschämteste Track am Schluss. Wirklich ein “End Credits” Clone für ein König der Löwen Musical. Frech.
  • xx. auf jeden Fall ein Skrillex remix”
    Hey wir brauchen den Skrillex remix für die Las Vegas Zielgruppe unter 15 Jahren, jetzt stellt euch halt nicht so an, dann müsst ihr halt ehrenamtlich arbeiten, damit wir uns den leisten können.

inbetweeners
  • 02. International
    Brav den Dub/Raggavocal Track absolviert. An den Drums aber irgendwie gescheitert. Da fehlt was. Ja die Lazersounds sind Standard. Aber doch Ihr nicht?
  • 04. Blk & Blu
    Jungs, aber so Garage / 2Step muss mit drauf, ja? So was Dsclosure macht und so. Das kommt gut. Normalerweise reicht ja ein 2step Beat um mich kampflos zu machen. Und es ist auch alles schön hier: Die craigdavidschen Vocals (from Ed Thomas), die Pizzicatos, die Beats, alles. Nett.
  • 07. Gangsta Boogie [feat. Knytro]
    Ein Oldschool HipHop Track, der funktioniert.
  • 08. Heaven Knows [feat. Elli Ingram]
    Aber auch die langsamen Stücke für die Feuerzeuge bei Abendanbruch nicht vergessen, ja! So eins was wir als Abspann-Mucke weiterlizenzieren können.“. Sehr schöne Broken Beat / Downbeat / “Ballade” was auch immer. Obwohl man Beat-technisch m.E. schon wieder am wohl zu langsamen Tempo verzweifelt ist… Der Gitarren-Part später ist unerträglich aber passt eben zu einem Blockbuster-Abspann. Form follows Function is still king.
  • 12. Breathing [feat. Bo Saris]
    Jaja ganz nett. Aber muss es denn so einfallsloser Standard-Loop sein? C&S you can do better. War auf den Vorgängeralben in zig Variationen schonmal besser. Zu viel Durchschnitts Liquid DnB for you!
Killers
  • 03. Count on me (feat. Moko)
    “Jungs, aber ein Oldschool Rave Track muss noch drauf so wie “Louder”, gell? Wir brauchen auch was für den nächsten Vodafone/Coke/Kleinwagen Werbespot“. Ja und was für ein schöner! Livetaugliches Festivalfutter allererster Güte. Die Bösen sagen, das wäre einfach ein DJ Fresh Track gerippt. Böse, böse! TOLLES VIDEO!!!!
  • 09. Lost & not found
    Schuster bleib’ bei Deinen Leisten! Und never bite the hand that feeds you. In diesem Fall das Festival Mitsing-Publikum, dass Crossover Pop’n Bass hören will. Hier bombastisch umgesetzt mit Streichern und Abspann-Tränendrück Vocals. Böse Zungen dürfen hier aber sagen, dass C&S eine astreine Rudimental Kopie gelungen ist…
  • 10. Like That
    Wie “Lost & Found” nur mit weiblicher Stimme, mehr Piano und noch pathetischeren Hooklines. Das liebe ich ja. Trotzdem wieder Rudimental Kopie.
Für jemand wie Chase & Status, die mit ihrem Debut Game-changer nach Game-changer geliefert haben (man erinnere sich wehmütig an Street Life, Against all Odds, Eastern Jam, …), erwartet man einfach mehr als ein Album dass etwas danach klingt, dass man Mühe hatte, mit dem aktuellen Niveau mit zu halten. Authentisch klingt für mich anders. Ich geh’ jetzt mit dem neuen Camo & Krooked Album nachspülen.


Trotzdem in das Album reinhören:

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