Anders gehört! & Adventsrückblick 2005 – Türchen 23 & 24: The Streets – a grand don’t come for free

Wie bereits angekündigt, wollen wir hiermit mit unserer neuen Serie "anders gehört" starten. Musik wird hier von einer anderen Seite aus betrachtet. Einmal upside down und wieder zurück. Dafür konnten wir prominente, wortakrobatisch journalistische Schwergewichte verpflichten. Heute unsere erste Gastautorin.

Bienvenue, Connaisseuse_E!

Connaisseuse_E:

"Rap", ich bekenne mich schuldig, war meine Sache nicht nie (oder ist das gar keiner?). Sprache, dachte ich immer, hör nicht hin. Duck dich weg, nimm es nicht wichtig, schon gar nicht zu Herzen, es gibt sie noch, die Lieder, zu singen jenseits der Menschen, nur eben nicht (vielleicht sogar) hier, Gossensprache hin oder her, bleibt es Huldigung, dir, gerade im Hohn liegt die Abform von Vertrauen. in sie, die Sprache. Mitläufer hingegen, oder so will mir, der Unkundigen, nicht Vourteilsfreien, scheinen, gibt es auf diesem Gebiet viele, wie selbstredend auf jedwedem andren nicht minder, doch hier wiegt es beinahe schwerer, da getragen von der Arroganz – eines Missverständnisses: nicht jeder Muttersprachler begreift seine Sprache. Eine Aneinanderreihung von Worten ist noch kein Vers. ähnlich wie monochrome Malerei, die der peinlich blöde Biedermeier in goldverbrämten Galerien der Panscherei seiner teuren Nachbrut unterlegen wähnt, will eben die rhythmische Anordnung von Silben, wenn schon nicht gelernt, so doch im Blut getragen sein. Nicht jedem gegeben. Beileibe nicht.

Doch zurück zum Album. Dass man rhythmische Anordnung mit sturem Dröhnen gleichzusetzen hat, will mir weder in den Kopf noch eben ins Blut, und so skippe ich mich deeply drummed durch die ersten Tracks, spule wieder zurück, brav, gehorsam, ein gegebenes Versprechen wiegt schwer.
Bis dann, Selektion der Wahrnehmung, der Schmerz hineinfährt ?? in Sprache. Nun ist es ja bekanntlich mit Schmerz und love und ?? Kunst (in welcher Abform auch immer) so eine Sache. Die einer Gradwanderung sozusagen, zwischen Geleier, Kitsch und Peinlichkeit, bis zu dem einen, verschwindend nichtigen, zunehmend überraschenden Schritt hin, der einem ins Mark fährt: Kunst der Wiedererkennung, und sei es in Sprachlosigkeit.
Please… -please, gibt es einen genaueren Ausdruck für Hoffnungslosigkeit, die wider sich selbst immer noch hofft? please. und so scheint, von nun an, quasi schmerzveredelt, tatsächlich so etwas wie ein Ton hineinzugelangen, der die Stimme trägt (üblicherweise das, was Gesang definieren sollte), wobei ich mich im Voraus entschuldige, ist Gesang womöglich die Beleidigung schlechthin für jeden "Rapper". Wie gesagt, ich bekenne mich schuldig, aber was soll ich tun, von da ab hörte ich hin. Rauf und runter, durch das Album, nahm ich es ein Stück weit ernst.
Genau deswegen in die CD reinhören:

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