Burial – Untrue

An eternal ambient 2step master piece!

Jetzt werden sicher viele Fragen WAS SOLL DAS?. Warum testet Ihr jetzt noch die Burial. Warum überhaupt? Warum Eulen nach Athen tragen, Sand an den Strand? Es ist doch schon alles gesagt worden! Album des Jahres bei einigen Zeitschriften, von der Presse gelobt. Et cetera et cetera. Was wollt ihr nun noch schreiben?

M
Connaisseur_M:

Meine Antwort: Zur Selbstkasteiung. Als Entschuldigung. Weil ich mich schäme. Auf Grund von blödem Schubladendenken hätte ich um ein Haar dieses absolut grandiose Klassikeralbum ignoriert. Rein-in-die-Schubladen-Prostitution.

Aber von Anfang an. Woran merkt man, dass man älter wird? Daran, dass man die neuen Musikstile der Jugend nicht mehr versteht. So geht es mir mit “Dubstep“. Obwohl aus UK, ungerade Beats kann ich damit so gar nichts anfangen. Hört sich alles so gleichförmig an. Die Beats sind zu ungerade und klingen so konstruiert. Und wie man dazu im Club tanzen/abgehen soll, ist mir ein Rätsel. Also bin ich alt. Daher hatte ich auch Burial‘s zweites Album Untrue komplett ignoriert, da dies unter Dubstep läuft. Interessanterweise hat mich Minimal-Jan darauf aufmerksam gemacht, der so gar nichts damit am Hut hat, und ab da war die Neugier grö?er als die Schublade.

Schon beim Hören des zweiten Tracks der CD war es dann absolut AUS UND VORBEI!

Zunächst mal das wichtigste: This is not Dubstep! Sondern eher “minimal ambient 2step Dub RnB“. Aber auf keinen Fall Dubstep. Hier wobbeln kein Bässe rum und die Beats sind Garage. Ich versuche aber gar nicht erst, das schöner zu formulieren als die Jungs und Mädels von Soulseduction und erlaube mir daher zu zitieren:

The new record is weird soul music, hypersoul, lovingly processing spectral female voices into vaporised R&B and smudged 2step garage. Voices are blurred, smeared, pitched up, pitched down and pitch bent until their content becomes irrelevant and they whisper their saccharin sweet nothings into the void.

Oder auf deutsch: Die Tracks bestehen ausschlie?lich aus

  • gefilterten scheppernden 2step Beats,
  • ambient Flächen,
  • drones,
  • rauschen und knistern,
  • “vocals” oder das was davon übrig blieb,
  • Leere.
  • Es passiert absolut nichts.
  • Alle Tracks klingen gleich.
  • Es einfach nur fantastisch.

Es ist so beeindruckend schön wie schon lange nichts mehr. Zu Recht eines der Alben 2007.
Unlaublich ist zum Beispiel die Stimmung: Vor allem durch die Vocals, die so lange verfremdet und verwurstet wurden, bis nur noch die reinen Emotionen übrig bleiben, gelingt Burial eine Stimmung die gleichzeitig höchst Euphorisch ist, aber durch die Strings und Effekte dabei trotzdem Melancholisch bleibt. Man fühlt Vollgas, bleibt aber gleichzeitig im Standgas stehen. Unglaublich.

In totaler Erkenntnis des unglaublichen Frevels, den ich jetzt begehen werde, wage ich zu behaupten, dass dieses Album fuer Dubstep/2step/Drun’nBass das ist, was Basic Channel für “Techno” war und ist. Also kurzum, ihr seht, ich kann kaum noch klar denken bei dem Album. Es ist ein Muss, sich das anzuhören. Mein Kopf berührt den Teppich bei meiner Verneigung.

Als Fazit muss ich daher wieder Soulseduction zitieren, bevor ich mich komplett um Kopf und Kragen rede:

Forget central heating. The radioactivity of this album is all that you??ll need to keep you warm this winter.

Anspieltipp:
  • 02. Archangel
    Als ich das erste Mal die Vocals mit den Beats gehört habe, war alles einfach aus. Der Track lief zwei Tage lang auf Dauerrotation. Die Gänsehaut ging dannach nicht wieder weg. Das absolute ?bertune. Mein Tune des Jahres 2007.
  • 03. Near Dark
    Und er setzt nach dem gleichen Muster noch einen drauf. Unbelievable.
  • 06. Etched Headplate
    Die Vocals sind hier auf blo?e Laute reduziert. Man versteht sie aber trotzdem. Irgendwie.

J
Connaisseur_J:

Es ist doch alles schon gesagt worden? An mir geht sowas ja komplett vorbei. Kannte ich nicht, habe ich noch nie was von gehört. Legt mir der M. auf den (virtuellen) Schreibtisch und sagt: “Anhören, schreiben!”.
Hab’s zuerst unterwegs ausprobiert und selten hat mich ein Track (2. Archangel) zu so vielen zeitgleichen Gedanken gebracht:

  • Mist, meine Kopfhörer sind kaputt oder vielleicht läuft die Mukke ja beim Nachbarn?
  • Und wenn das so gehört hat dann Akufen die Vocalspur des neuen Popstars on Stage Superhits (der an mir vorüberging wie nicht vorhanden) verarbeitet?
  • Und wenn es das nicht war: Wer, ja bitteschön wer denkt sich solche Mukke aus?
  • ==> Area 51 ist nichts gegen diesen handfesten Beweis extraterrestrischer Existenz!

    Und dann ging’s mir wie meinem Kollegen und ich war schon infiziert. Und die Tracks klingen tatsächlich alle sehr ähnlich und dennoch kann man nicht genug davon bekommen. Ich wei? nichtmal genau ob es sich dabei überhaupt noch um Musik handelt oder eine ultramoderne akustische Droge.
    Track 2 ist und bleibt der Oberhammer….. aber wer will sich schon von einem Süchtigen seinen Stoff verkaufen lassen?
    Oder in diesem Fall auch von Zweien? Also wenn Ihr Euch eine weitere Sucht leisten könnt, los geht’s!


Der Meister auf myspace

Bei bleep.com reinhören (länger als Soulseduction, mit Unterbrechung)

Bei Soulseduction reinhören (Achtung LP-Version, weniger Tracks, andere Reihenfolge als auf CD):

 

4 thoughts on “Burial – Untrue

  1. ?BERALBUM!!!!Genau 🙂
    Mit Abstand bestes Homelistening Album 2007.
    Das ist in 10 Jahren für Dubstep/Garage was heute retrospektiv Massive Attacks “Blue Lines” für Trip-Hop war…

  2. “Man fühlt Vollgas, bleibt aber gleichzeitig im Standgas stehen.”

    Danke _M, dieser Satz war der Nagel auf den Prosakopf getroffen!

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