Manuel Tur – 0201

Believe the hype?!
Was soll denn an diesem Album bitte so besonders toll sein?

  • Bei der Hälfte der Tracks fehlen die Beats komplett, bei den anderen wirken Sie wie nach der Pressung noch dazu gepatched.
  • Statt kompletter Tracks besteht die Hälfte des Albums aus unfertigen Skizzen, die als Interlude getarnt sind.
  • Jemand hat beim aufnehmen einfach auf stopp gedrückt: wenn ihm nix mehr einfällt, hört der Track mittrendrin einfach auf
  • Man wird den Eindruck nicht los, dass es sich bei dem Album um eine aufgeblasene EP handelt.
  • Was ist schon Originell am tausendsden Deephouse Aufguss?
  • Und am schlimmsten: Die Wichtigkeits-Underground-Stylepolizei-Presse lobt das Album über alle Maßen und fabuliert alleine aufgrund dieses Albums den großen Ruhrpott-House-Trend herbei (“beardy” ist jetzt das adjektiv zu dieser ersthaften Ernsthaftigkeit und Spaßlosigkeit, mit der solche Themen in diesen Blättern zelebriert werden. Und wenn man sich die Cover auf diesen Mags anschaut, dann weis man, dass kaum ein Begriff je besser passte als dieser).

Bei solchen Indikatoren schalten so ziemlich alle unsere unberechtigter-Underground-Hype-Warnlampen auf tiefrot. Und so schwingen wir uns heldenhaft die Feuerwehrstange runter, um im Rettungswagen zur Rezension zu eilen und schonungslos das wahre Gesicht dieses Albums zu entblößen…

Und die Diagnose lautet: ICH WAR EIN NARR UND VON VORURTEILEN GEBLENDET! DENN ALLES IST WAHR!

Ich halte dieses Album für eines der bedeutendsten House Alben seit langem. Obwohl es eigentlich kein House Album ist. Und nicht mal ein Album. Und wirklich zu kurz, oft beginnen die Tracks mit ausgedehnten Intros und hören einfach abrupt auf. Und die Bassdrums wirken wirklich manchmal so, als hätte Manuel Tur sie mit spitzen Fingern angefasst und widerwillig nach Fertigstellung als Fremdkörper reingepresst.

Und trotzdem beeindruckt es wie selten: Schemenhafte Housereflektionen schimmern unter einer Wasseroberfläche aus sphärischen reduzierten Flächen und Räumen durch, Vocalfetzen wehen über die Wellen, Claps hallen durch den Wald. In Summe ergibt das einen tiefen, tiefen Deephouse-See mitten im Wald, an dem man einfach nur sitzen und reinschauen will. Passend zu diesem Bild die Froschquak-Analogien aus dem Intro des ersten Tracks. Genial, wie er durch gekonntes Weglassen Räume schafft und selbst aus den einfachsten Deephouse Klischees einen berührenden Titel nach dem anderen baut. Und vor lauter Aufbauen wirklich manchmal einfach vergisst, dass ja ein “Beat” drunter muss (In diesem Sinne ein Meisterstück: 04. Golden Complexion)

Wer schon immer ein Burial’s untrue Album als House-Version gesucht hat, wird hier glücklich. Ein Referenzwerk in Sachen Future-Listening-Ambient-Dub-Deephouse-Wahnsinnsalbum für Köpfe, Sessel, Sofas, Betten und andere Möbel.

Please, please believe the Hype!

Unsere Anspieltipps:
  • 02. Stay feat. Larissa Kapp
    Schleppender geht nimmer.
  • 07. Pastelize
    Endlosloop der standardigsten Standarddeephouse Zutaten, aber so zeitlos schön arrangiert. Der zarten Basslauf weckt den Beschützerinstinkt und man will eine Tierpatenschaft für ihn abschließen. Hätte ruhig ieber acht statt vier Minuten sein dürfen.
  • 03. Rubicond

    Ich kann auch Merka! sagt der Manuel und machts einfach.

In das Album reinhören:

 

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