Session Victim – The Haunted House of House

Unfassbarkeitshouse!

M
Wenn das mal kein Wink des Schicksals war: Unsere (mittlerweile sich entwickelnde, früher war ja alles top-niveau, kar!) Planlosigkeit auf dieser Seite mag dem ein oder anderen fast schon gewollt vorkommen, aber sie ist schlichtweg Ergebnis der Auswirkung des “real life” auf unser Musikleben.

Und so war mir Session Victim absolut gar kein Begriff (obwohl deren Track Lage Processor auf Maya Jane Cole’s fantastischem Mixmag Mix enthalten war und obwohl ich deren 2011er Sommerhit Track Good Intentions wohl bereits schon im Unterbewusstsein gespeichert hatte), bis ich mich wirklich, echt und ehrlich beim track surfen auf juno verklickt habe und mein Juno Player pleotzlich voll mit Tracks aus deren Debut Album “The Haunted House of House“.

Und nach wenigen Minuten war sofort klar, dass ich hier auf eine Goldader gestoßen war!
Das war ein erweckungserlebnis wie bei Burial, Merka oder Milton Jackson.

Denn das Hamburger/Berliner Duo Session Victim, bestehend aus Matthias Reiling und Hauke Freer, klingen wie ein Defibrilator für Deep House. Ja, ich mag Deep House, ich verschlinge nahezu jeden Output von Terry Lee Brown Junior und, und und, aber ehrlich gesagt: Ob man nun Terry’s Cafe Teil 1 dreizehn mal kauft oder Teil 1 – 13, das macht jetzt nicht soooo den Unterschied.

Bei Session Victim schon. Sie machen Sample Deep House mit Schwerpunkt auf Soul und Funk samples. Die Utah Jazz des Deep House sozusagen. Heraus kommen Stücke, die eingängig und vielseitig sind. Die trotz Ohrwurm-Elementen genug Raum für kleine Details lassen. Beeindruckend, wie die Stücke gleichzeitig als angenehmer Background laufen können, aber auch beim bewussten Hören funktionieren. Was sonst noch beim Hören so passiert, lest Ihr am besten anhand der Hörbeispiele, die – ich schwöre das unter Eid! – im Zustand völlig geistiger Zurechnungsfähigkeit entstanden sind.

Ja, wir gehen hier scheinbar inflationär mit diesem Begriff um: für mich ist das ein zeitloser Klassiker. Ein Meisterwerk..
Gibt’s schon das SubSubGenre Unfassbarkeitshouse? In Ehrfurcht knie ich nieder. In Ehrfurcht!

PS: Und natürlich begegnete mir nach diesem schicksalhaften Erweckungserlebnis Session Victim in so gut wie jeder Musikpublikation. War ja klar.

Connaisseur_M’s Ehrfurchtselegien:
  • 01. Dark Sienna
    Klar, wenn’s schon so losgeht ist sowohrt alles zu spät: 70ies Funk Loop plus dezent eingesetze Bläser plus ein zwei Synthiesprengel ergeben erhabene Schönheit. Instant Classic des Monats!
  • 02. Zoinks
    Und es geht genauso weiter. Session Victim sind Meister des Loop-Einsatzes. Dieses Tune wächst und wächst und wächst zu einem absoluten Monster, von dem man nicht will, dass es jemals aufhört. Gleichzeitig dabei so zurückhaltend, dass immer eine Spannung nach mehr, mehr Beats, mehr Drop, mehr Krawall entsteht, welche aber nie ganz aufgelöst wird. Ein Lehrstück in Sachen Arrangement. Ein Lehrstück wie man sehr unterschiedliche Elemente zu einem homogenen Ganzen verbindet. Eigentlich so eine Art Merka-House. Das ganze Album ist eigentlich ein wiedergeborener Merka.
  • 05. The Haunted House
    Vielleicht eines der besten Stücke, um zu zeigen wie inadäquat Worte sind, um die Gefühle auszudrücken, die beim Hören von Musik im allgemeinen, und beim hören dieses ausnahme-unfassbarkeitstracks entstehen. Spur um Spur, Loop um Loop, Effekt um Effekt schlingen sich hier Schicht um Schicht in und übereinander. Der Lauf des Amazonas in Zeitraffer und dabei immer weiter herausgezoomt, bis zum Schluss der ganze Flusslauf in seiner fraktalen Größe sichtbar und fühlbar ist. Zum niederknien.
  • 09. Light Scent Of Decay
    Nein, ich habe bein besten Willen keine Ahnung, was am 9 Minuten monotonem Western Gitarre Geklimper fantastisch sein soll. Ist es aber.
  • Ach Schluss jetzt. Die Begeisterung glaubt mir doch eh keiner!
  • 11. Flying Visit
    Ach doch nicht. Denn das Beste kommt wohl zum Schluss. Auf 106 BPM eines der nettesten, sanftesten, anmutigsten SONNENAUFGANGSTUNES ALLER ZEITEN! Eigentlich ist es wieder nur ein einziger simpler Loop. Ja, bei so viel Schönheit in einem Track muss ich weinen vor Freude. Jetzt echt. Ich glaube, für diesen Track haben die beiden bei einem Voodoo Priester mit dem Geist von Mixmaster Morris kommuniziert.



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