Skream – Outside the Box

Feigheit vor dem Feind?

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OK, OK, was macht man, wenn man wie Skream ein gehyptes Dubstep Wunderkind ist, Teil der Magnetic Man Supergroup und alle auf das Debut Follow-Up Album des Jahrtausends warten?

  • Erfüllt man die Scheuklappen-Erwartungen der Dubstep-Fans und liefert ein Genreklassiker-Hammeralbum mit Burner nach Burner (wie es z.B. Chase & Status oder SubFocus im DnB gemacht haben)?
  • oder macht man – wie eigentlich viele Dubstepper – ein Album mit elektronischer Allerweltsmusik, das man dann mit der “the next evolution” oder “ich habe eh noch nie Dubstep gemacht, was habt ihr denn alle” oder “wer das nicht versteht, ist doof” Attitüde trotzig als “kongeniales Statement gegen den Wobblebass-Faschismus” platziert?

Skream hat sich für letzteres entschieden und mit dem Titel auch gleich klar gemacht, dass er nicht im Genrezusammenhang gesehen werden will. Persönlich finde ich das Ergebnis weniger überzeugend. Das Album hinterlässt bei mir eher einen zusammengeflickten und unfertigen Eindruck mit einigen “Album Fillern”. So klingt z.B. Finally mit La Roux eher wie ein unfertiger Kosheen Song. Und auf Perforation oder A song for Lenny probiert daddelt er einfach a bisserl mit seiner neuen 80 GB String Library rum und hat dabei record gedrückt. Und von welchen Amiga Demos er Epic Last Song und CPU geklaut hat, finde ich auch noch raus.

Es dominieren eher vorhersehbare String-Melodien und Flächen mit ein paar wenigen weiteren Zutaten. Die Arrangements klingen wenig spektakulär. Verlegen rattern ein paar Standard Breakbeat Loops ab und an vor sich hin. Pathetisches trieft überall raus, sonst ja eigentlich ein Garant für meine ungeteilte Zustimmung, aber hier wirkt es doch eher bieder. Und damit man ihm der Arbeitsrichter vorm Dubstepgericht nicht groben Vorsatz nachweisen kann, hat er mit Wibbler auch pflichtbewusst ein Dubstep-by-numbers-Stück mit draufgepackt. Hätte er sich im Albumkontext wohl sparen können und als Single releasen.

Ganz ehrlich: Ein gänzlich unbekannter Artist hätte diese einzelnen Stücke sicher nie als Album raus bringen können. Dass man dass einem Skream aber abnimmt und – wie in manch englischer Presse geschehen – auf eine Stufe mit den Leftfields dieser Welt stellt wundert mich dann schon.

Also: Wer Popstep sucht, ist derzeit mit den 2 Magnetic Man singles I need Air und Perfect Stranger besser bedient. Ein paar wenige Perlen stechen klar heraus (s.u.), aber der Rest ist weder Neuartig noch sonst wie bemerkenswert.

Und ob das jetzt super mutig ist oder nicht oder Feigheit vor dem Feind, so ein Album als Debut raus zu bringen, wei? ich immer noch nicht. Vielleicht ist es auch nur wieder medial überhöhte Erwartungshaltung, die einem das Album letztendlich etwas vermiest. Denn letztendlich macht er genau dass, mit dem er bekannt wurde: Viel Vocals, wenig Rest und zum Schluss dann ein Breakbeat. Wir sind also selber schuld. Hätte ich nur mal früher besser hingehört.

Try before you buy! Einen Meilenstein habe ich mir anders vorgestellt.

Trotzdem gibts Anspieltipps, denn es sind zumindest zwei absolute über über über über über Poptunes dabei:
  • 04 – Where You Should Be feat. Sam Frank
    Könnte auch auf einem Air Album sein. Vocoder Gesäusel plus Funkylines ergeben Easy Listening vom feinsten. Dubstep ist grade mal noch in ein paar verkümmerten Chromosonenpaaren nachweisbar. Und nein, einen Bumm – Peng Best gabs auch schon vorher. Poppiger und sü?er gehts echt nimmer. Fantastisch! Aber was macht so ein Ding auf einem Skream Album?
  • 05 – How Real feat. Freckles
    Burialistischer 2Step Holper-Beat trifft auf Autotune-SprechSingSang plus Geklimper. Autotunepop, der’s mir sowas von angetan hat. Fantastisch.
  • 06 – Fields Of Emotion
    Als ich noch jung war, hie? so was Loader Tune und kam zwischen den Main Parts auf dem Amiga. Nur die Choir samples waren damals kürzer. Schon frech, das als vollwertigen Track auf eine LP mit zu nehmen. Funktioniert aber trotzdem. Jaja weniger ist mehr und so. Hier kann man es bobachten.

In das Album reinhören:

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