Sub Focus – Torus

more FLASH, less SMASH

oder

die Musik zum LED Kranz

M
Yes I know, ihr könnt meine Dauer-Pop-Kitsch-Käsemischung kaum noch ertragen. Irgendwie muss ich aber trotzdem meinen Senf zum neuen Sub Focus Album dazugeben. Es drückt mich richtiggehend. Denn es ist ein gelungenes Diorama des gegenwärtig vorherrschenden Geschäftsmodells vieler Crossover / Mainstream UK Drum’n Bass Artists:

  • Artist wird im Underground mit “konsequenten” und “amtlichen” Tracks bekannt
  • Hat ein Händchen für den Spagat zur massentauglichkeit
  • Legt als DJ 5 mal pro Wochenende auf
  • Hat den crossover “Überhit”
  • Macht ein unglaubliches Debut Album
  • investiert all sein Geld in ein Live-Set, vor allem in LED-Wände
  • tourt alle Festivals der Welt. Gleichzeitig.
  • Macht das Jahr um Jahr um Jahr. Es muss ja das Equipment abbezahlt werden und die mittlerweile 30 köpfige Crew will ernährt werden
  • Die Tunes werden immer poppiger
  • Mittlerweile beim Major Label, wird noch mehr auf radiotauglichkeit gepusht
  • Das zweite Album kommt (mindestens ein Jahr verspätet)
  • Die Finanzierung für noch mehr LED-Wände und noch bombastischere Live Auftritte steht
  • Alle hoffen, dass das so lange gut geht, bis die Hardware abbezahlt ist

Bei Sub Focus gilt das mehr denn je: Never bite the hand that feeds you bedeutet bei ihm: Richte ALLES, aber auch wirklich ALLES auf die Lifeshow aus. Das Cover ist sein LED-Kreis, die Musik klingt wie ein Soundtrack zu einer Lightshow.

Der spontane Eindruck: Alles ist noch netter, noch harmloser, noch aseptisch reiner geworden als beim letzten mal. Es ist alles richtig nett und clean. Underage DnB für den Vormittag. Sub Focus’ Markenzeichen zu technoiden Elementen bedeutet in dieser Version, dass es in diese Art klinisch reinem Deadmau5-Progressive-Electrosound rein ragt. Eine Spur zu glatt gebügelt.

Leider sind auf dem Album die größten Highlights auch diejenigen Tracks, die vorher schon draußen waren. Viel neues überraschendes fehlt etwas. Und mit dem unsäglichen Tidal Wave (klingt wie ein schlechtes NERO Ripoff) oder Untill the End wird die Kitschgrenze schon sehr, sehr weit überschritten, selbst für meinen Geschmack.

Das aseptische kommt merkwürdigerweise auch bei seinen Live Shows so an. Trotz der vielen Controller und der eigen entwickelten – bei Roland’s AirBeam entlehnten – Gestensteuerung bleibt es doch etwas zu statisch. Ja die Lichteffekte sind richtig beeindruckend. Aber er sieht etwas zu statisch da rum. Auch das erinnert an Deadmau5, dessen Würfel Hammer ist, aber eigentlich jeder da stehen und das Ableton Set abfahren könnte. Die Kommunikation bleibt hinter dem zurück, was die vielen Interaktionsmöglichkeiten mit seinem Equipment versprechen. Vielleicht liegt es auch daran, dass er da so alleine steht, vielleicht an der generellen Unmöglichkeit, mit elektronischen Instrumenten (na ja: eher vorgefertigten Ableton Stems) ein authentisches “Live” Feeling zu erzeugen. Keine Ahnung.
Auf UKF gibt es jedenfalls (noch?) ein sehenswertes Behind-the-Scenes Video, welches sehr detailliert den Aufbau des Live-Sets zeigt. Vom Aufbau der LED-Kreise bis hin zu seinem Equipment.

Mich überzeugt das Album in Summe aber trotzdem: Der Sound ist High-End-Eingängigkeit extrem. Diese Applikativität (ihr wisst schon was ich meine, verdammt, warum haben wir unsere Abhandlung über applicational music immer noch nicht veröffentlicht?) ist herrlich klar. Es funktioniert.

Wer auf rinsende smasher steht, ist hier falsch. Wer angenehm glattpolierten state-of-the-Art Ex-DnB-NeoTrance Sound mit Popzuckerguss hören will, der findet wohl derzeit nichts besseres. I LIKE! Wer seine letzten gefühlten 10 Singles hat, kann sich das Album aber ehrlicherweise sparen. Wer es für einen Promoartikel zum Konzert hält, hat auch recht.

Unsere Anspieltipps:
  • 02. Safe in Sound
    Der Titel ist wörtlich zu nehmen. So eine Art alkoholfreie Version früherer Sub Focus Titel. Netter geht nicht. Aber gut gemacht. Bis auf die Musical-Chöre.
  • 03. Endorphins (feat Alex Clare)
    Feuerzeug raus und schunkeln. Auch schon vorher draussen gewesen. Was für ein schöner Hit. “Never give up, it’s never enough…“. Mein Sound des Sommers.
  • 04. Out the blue (feat Alice Gold)
    Das meine ich auch mit “die besten Tunes waren vorher schon veröffentlicht”. Jetzt schon ein Klassiker. Ein Ubertune. Wir werden alle wohl nie die “And it takes twoooooo, and it takes twooooo” Gesänge dieses Sommers vergessen. Oder die “Düdel düt düüüüt. Düdel düdü düt düt düüüt”. Eigentlich klingt das alles eher wie ein “Best of letzte 10 Singles” als ein Album. Hmm.
  • 06. Close (feat. MNEK)
    Unglaublich: Es ist nicht möglich, diesen Sub Focus Track von einem Disclosure Track zu unterscheiden. Er ist identisch. Und fantastisch. Er kann auch Reinheitsgaragehouse.
  • 10. Turn back time
    Oldschool-Rave-tune-das-man-im-lifeset-nach-den-ruhigeren-nummern-spielen-kann-um-die-Menge-wieder-zum-kochen-zu-bringen: CHECK
  • 11. You make it better (feat. Culture Shock & TC)
    Hätte auch J Majik & Wickaman sein können. Der Sub Focus Trademark Glatt-Sound noch glatter. Hammer: Unser geliebter TC darf hier singen! Funktioniert super!

In das Album reinhören:

Go to Beatport.com Get These Tracks Add This Player


Das oben genannte Behind-the-scenes Video:

Wie genial! (Noch?) Kann man hier das gesamte Lifeset anschauen. Es ist beeindruckend.

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