Ursula Rucker – Ma ‘at Mama

Wir sagen: Tief!


Connaisseur_J:

Die Connaisseure bleiben sich treu. Auch bei Frau Rucker, denn über ihr exzellentes Debut “Supa Sista” von 2001 haben wir kein Wort verloren, obgleich wir beide eine sehr positive Meinung zu diesem Album haben. ?ber “Silver or Lead” von 2003 ihr zweites Album haben wir uns zwar offline ausgetauscht, aber kein Wort darüber geschrieben. Ich bitte dies innerhalb der geneigten Leserschaft zu entschuldigen. Dafür sind wir “Ma ‘at Mama” einigerma?en zeitig dabei. Frau Rucker ist das einzige mir bekannte Beispiel für die gelungene Mischung von Musik und Poetry. Viele kamen wie sie von den Slams erst in die Buchläden und dann irgendwann in die Studios in der Form irgendeines superwichtigen Projekts. Und sind genau so schnell wieder verschwunden.

Und auch wer bis dato dachte Musik gegen Krieg, Vertreibung, die Allmacht der Massenmedien, Musik für Gleichberechtigung, Musik für Menschenrechte und insbesondere auch für Frauenrechte, kann nicht interessant und zeitgemä? sein, wird von Frau Rucker immer wieder aufs Neue eines Besseren belehrt. Sicher nicht die Musik um mal so im Hintergrund zu laufen aber Musik für den aufmerksamen, aufnahmefähigen Zuhörer. Doch selbst wenn man mal nicht auf die Texte hört sind Musik und Ursulas Stimme immer eine mahnende, manchmal verstörende Einheit. Leider habe ich ihren Auftritt in Hamburg letzte Woche verpasst. Aber es gibt noch die Möglichkeit am 21. März in München und am 28. März in Frankfurt. Wer mal wieder “etwas tun” will und/oder politisch aktiv werden und das im Rahmen eines Konzertbesuchs ist dort gut aufgehoben, denn amnesty international wird die Tour begleiten……………. Musik fürs Bewusstsein einer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und gegen die “wird sich schon jemand kümmern”-Mentalität.

Anspieltipp:

  • 1. ??????
    So leid es mir tut und M. du kennst das: wegen eines technischen Defekts sind die Tipps verschwunden und ich versuche seit zwei Wochen das nochmal so zu schreiben wie beim ersten Mal. Es funktioniert nicht. Und jetzt sind auch noch die Konzerthinweise nicht mehr aktuell. Sorry. Der magische Moment ist vorbei für den genialen Wortlaut. Und beim nächsten Mal läuft alles anders!

Connaisseur_M:

Ja und Nein muss ich hier sagen. Wie Connaisseur_J bereits erwähnt hat, begleitet und die Ursel nun schon länger. Damals während meines bayrischen Exils lief eines Abends ein “female feature” in einer dieser abgedrehten Bayern-2-Radio (!!) Sendungen, die sich mit untergründiger (elektronischer) Musik beschäftigen. Und da lief dann die “Supa Sista” und ab da war’s dann Liebe. Wobei mich das zu Beginn erstmal musikalisch überzeugt hat. Erst später kamen dann die Texte dazu. Hierbei kann ich zu oben gesagtem nur zustimmend nicken.
Trotzdem muss man auf Gefahren hinweisen: Der eingängige Sing-Sang und die i.d.R. chilligen Sounds eigenen sich sehr wohl als Hintergrund-Musik. Und da liegt der Widerspruch: Ist das jetzt Absicht von Ursula Rucker, die tiefsinnigen Texte (“explicitly spoken word”) durch die oberflächliche Kafeehaustür in das Unterbewusstsein der Latte-Gesellschaft zu bringen? Oder ist es notwendiger Kompromiss, mit solchen Themen ein grö?eres Publikum zu erreichen?
Die Grenze ist sehr sehr eng hier. Das kann alles wirklich als Hintergrund-Mucke laufen. Eine CD Mundtot gemacht, sozusagen. Gesenkten Hauptes bekenne ich hier, dass ich diese Musik auch schonmal so angewendet habe. Darf man das jetzt überhaupt? Macht mich das jetzt zum Macho-Schwein, weil ich den intelligenten femininen Inhalt brutal ausblende? Oder soll man das sogar und die Plattenfirma liefert mit den Texten quasi den Ablass-Schein zum hören-ohne-reue gleich mit? Schlie?lich tauchen die CD Rezensionen in allerhand Oberflächlichkeitsblättern auf (Brigitte-Alarm, liebe Amicas…)

Weis nicht. Hört man sich Tracks wie 4. “Black Erotica”, 6. “Children’s Poem” oder 11. “for Women” an, ist das alles sowiso egal. Die stehen einfach so rock solid da.

Inhaltlich ist die CD Nachdenklichkeit und Tiefe mit einer Prise Depression in höchster Präzision. Verneigung. Ehrfurcht. Trotzdem Couchfähig, irgendwie.

In die CD reinhören:

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